Triage-Scores für die ambulante Behandlung von Patient:innen mit Pulmonalembolie
Anfrage
Gibt es Studien, die unterschiedliche Triage-Scores für die Beurteilung, ob eine ambulante Behandlung von Patient:innen mit Pulmonalembolie möglich ist, in Bezug auf gesundheitsbezogene Endpunkte vergleichen?
Ergebnisse
Studien
Wir haben zur Fragestellung insgesamt zwei randomisiert kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 2 524 Studienteilnehmer:innen gefunden, die bei Patient:innen mit akuter Lungenembolie unterschiedliche Triage-Scores verglichen (1, 2). Eine Studie verglich die Hestia-Kriterien mit dem Simplified Pulmonary Embolism Severity Index (sPESI)-Score (2). Die andere Studie untersuchte, ob bei Patient:innen mit negativen Hestia-Kriterien (d.h. ambulante Behandlung möglich) die zusätzliche NT-proBNP-Bestimmung gegenüber den Hestia-Kriterien allein einen Vorteil in Bezug auf patientenrelevante Endpunkte bringt (1). Bei den Studienteilnehmer:innen, die für eine ambulante Behandlung triagiert wurden, erfolgte die Entlassung nach Hause innerhalb von 24 Stunden nach Randomisierung bzw. Diagnosestellung. Die Follow-up-Dauer betrug in beiden Studien 90 Tage. Das Bias-Risiko der beiden Studien stuften wir als niedrig (1) und hoch ein (2).
Resultate
- Rezidiv einer venösen Thromboembolie: In der HOME-PE-Studie (N=1 974) war nach 90 Tagen das Risiko für eine venöse Thromboembolie in der Hestia-Gruppe und sPESI-Gruppe ähnlich (0,9 Prozent [8 von 910] versus 1,4 Prozent [13 von 934]; relatives Risiko [RR]: 0,63 (95% Konfidenzintervall [KI]: 0,26 bis 1,52) (2). In der zweiten Studie (N=550) hatten in der Gruppe mit negativen Hestia-Kriterien und direkter Entlassung nach Hause 1,1 Prozent (3 von 275) der Patient:innen ein Rezidiv einer venösen Thromboembolie im Vergleich zu 0,7 Prozent (2 von 275) in der Gruppe mit negativen Hestia-Kriterien und NT-proBNP Bestimmung (RR 1,50; 95% Konfidenzintervall [KI]: 0,25 bis 8,91) (1).
- Schwere Blutungen: Die Autoren:innen der HOME-PE-Studie berichteten, dass der Unterschied zwischen der Hestia-Gruppe und der sPESI-Gruppe in Bezug auf das Risiko für schwere Blutungen nach 90 Tagen nicht statistisch signifikant war. (2,6 Prozent [24 von 912] versus 1,6 Prozent [15 von 937]; RR 1,64; 95% KI: 0,87 bis 3,11) (2). Exter et al. berichteten in ihrer Studie in der Gruppe mit negativen Hestia-Kriterien und direkter Entlassung bei 3 von 275 (1,1%) Patient:innen eine schwere Blutung im Vergleich zu 1 von 275 (0,4%) Patient:innen in der Gruppe mit zusätzlicher NT-proBNP-Bestimmung (RR: 3,00; 95% KI: 0,31 bis 28,66) (1).
- Gesamtmortalität: In Bezug auf die Gesamtmortalität nach 90 Tagen zeigte sich in der HOME-PE-Studie zwischen Patient:innen der Hestia- und der sPESI-Gruppe kein statistisch signifikanter Unterschied (5,3 Prozent [51 von 959] versus 3,9 Prozent [38 von 972]; RR: 1,36; 95% KI: 0,90 bis 2,05) (2). Im RCT von den Exter et al. verstarben 3 von 275 (1,1 Prozent) Patient:innen mit akuter Pulmonalembolie und negativen Hestia-Kriterien im Vergleich zu 4 von 275 (1,5 Prozent) mit zusätzlicher NT-proBNP-Bestimmung (RR: 0,75: 95% KI: 0,17 bis 3,32) (1).
Stärke der Evidenz
Die Evidenz gibt Hinweise, dass zur Identifikation von Niedrigrisiko Patient:innen mit akuter Lungenembolie, die für eine ambulante Therapie in Frage kommen, sowohl die Hestia-Kriterien als auch der sPESI-Score effektiv und sicher sind. Die Hestia-Kriterien in Kombination mit der NT-proBNP Bestimmung ist der alleinigen Anwendung der Hestia-Kriterien möglicherweise nicht überlegen. Insgesamt war bei ambulant behandelten Patient:innen das Risiko für Komplikationen innerhalb von 90 Tagen niedrig.
Ergebnisse im Überblick
Ausführliche Beantwortung
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