Manuelle Lymphdrainage nach malignen Tumoren

Anfrage

Ab welchem Zeitpunkt ist bei Patient:innen nach abgeschlossener onkologischer Therapie die manuelle Lymphdrainage sicher anwendbar?

Ergebnisse

Studien

Wir identifizierten vier Studien: zwei randomisierte kontrollierte Studien (RCT) (1, 2) und zwei Beobachtungsstudien (3, 4). Insgesamt wurden 1 553 Patient:innen nach einer Tumorerkrankung eingeschlossen, bei denen entweder präventiv bzw. aufgrund eines therapieinduzierten sekundären Lymphödems eine manuelle Lymphdrainage vorgenommen wurde oder – in der jeweiligen Kontrollgruppe – keine manuelle Lymphdrainage, Standardversorgung oder Bewegungstherapie erfolgte. Die Studienteilnehmer:innen waren überwiegend Frauen im Alter von 49 bis 60 Jahren. Die Beobachtungszeit lag bei sechs Monaten bis fünf Jahren.

Resultate

  • Rezidiv eines Mammakarzinoms: Innerhalb von fünf Jahren traten laut einem RCT mit gesamt 160 Patient:innen in der Gruppe mit manueller Lymphdrainage ähnlich selten Rezidive eines Mammakarzinoms auf wie in der Kontrollgruppe ohne manuelle Lymphdrainage: 1 von 79 (1,3 Prozent) vs. 2 von 81 (2,5 Prozent; relatives Risiko [RR] 0,51; 95% Konfidenzintervall [KI] 0,05–5,54). In einer retrospektiven Kohortenstudie mit 1 106 Patient:innen war nach einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 3,33 Jahren in der Gruppe mit manueller Lymphdrainage bei 10,9 Prozent (12 von 110) und in der Gruppe ohne manuelle Lymphdrainage bei 15,5 Prozent (154 von 996) ein Krebsrezidiv nachweisbar (adjustierte Hazard Ratio [aHR] 0,71; 95% KI 0,39–1,29).

 

  • Rezidiv eines Malignoms im Kopf-Hals-Bereich: Innerhalb von vier Jahren zeigten sich in einer Beobachtungsstudie mit 191 Patient:innen bei Anwendung von manueller Lymphdrainage ähnlich häufig Rezidive im Bereich des Mundes, Rachens und Kehlkopfes wie ohne manuelle Lymphdrainage: 18 von 100 (18 Prozent) vs. 19 von 91 (20,9 Prozent; RR 0,95; 95% KI 0,53–1,70).

 

  • Rezidiv eines Axillary Web Syndroms: Innerhalb von sechs Monaten ergaben sich laut einem RCT mit 96 Frauen nach Mammakarzinom-Behandlung bei manueller Lymphdrainage ähnlich selten Rezidive eines Axillary Web Syndroms wie ohne manuelle Lymphdrainage: 1 von 48 (2,1 Prozent) vs. 2 von 48 (4,2 Prozent; RR 0,5; 95% KI 0,05–5,33).

 

Stärke der Evidenz
0 von 3 = Insuffizient

 

Auf Grundlage der von uns identifizierten Evidenz lässt sich keine Aussage darüber treffen, ab welchem Zeitpunkt bei Patient:innen nach abgeschlossener onkologischer Therapie eine manuelle Lymphdrainage als sicher anzusehen ist. Zudem ist unklar, ob es hinsichtlich der Häufigkeit des Auftretens von Rezidiven einen Unterschied zwischen der Anwendung von manueller Lymphdrainage und keiner manuellen Lymphdrainage gibt.

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